Intagliotypie / Polymertiefdruck

Die Idee

Die Intagliotypie ist eine moderne gesundheits- und umweltfreundliche  ungiftige Radier-/Tiefdrucktechnik.
Sie nutzt die Möglichkeiten des  Fotopolymerfilms zur Übertragung von beliebigen Motiven - wie Zeichnungen, Malereien, Fotos, Computer generierte Grafiken und Bilder  - auf eine Druckplatte.

Die Druckplatten lassen sich ähnlich wie bei der herkömmlichen Radierung in mehreren Schritten weiter bearbeiten.

Durch ihre vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten eröffnen sie zahlreiche neue Möglichkeiten der Gestaltung.

Ein weitere wesentlicher Anwendungshintergrund ist die Gesundheits- und Umweltfreundlichkeit. In der Intagliotypie werden nur leichte Laugen zum Entwicklen, Essig zum Neutralisieren und Öl bei Druckfarben auf Ölbasis verwendet.
   
Damit ist diese Technik besonders für alle Kunstakademien, Kunst- und Hochschulen geeignet. In Verbindung mit den ebenfalls ungiftigen AKUA-Intaglio-Druckfarben kann die Intagliotypie auch in Bildungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche unterrichtet werden.

 

37-39, Intagliotypie von Erich Ludwig
37-39, Intagliotypie von Erich Ludwig

Das Arbeitsprinzip

Das Motiv muss in irgendeiner Form auf einem transparenten Material (transparente Zeichenfolie, OverHead-Folie) vorliegen.

Mittels UV-Licht wird dieses Motiv auf Polymerfilm (ImagOn) belichtet.
Die transparenten Bereiche der Bildfolie werden von dem UV-Licht durchdrungen und härten an diesen Stellen den Polymerfilm.
Die vom Motiv abgedeckten Bildbereiche - also die mehr oder weniger geschwärzten Stellen - lassen das UV-Licht nicht durch. Deshalb bleibt der Polymerfilm an diesen Stellen weich und lässt sich in der Entwicklerlauge herauswaschen.
Durch Neutralisation und Trocknen härtet der Polymerfilm aus; durch Lagerung im Sonnenlicht kann diese Polymerschicht noch weiter ausgehärtet werden.
Nach der Entwicklung entstehen in der Polymerschicht die Vertiefungen, die die Farbe für den Druck halten.

Je nach Motiv und Belichtung können von diesen Druckplatten bis zu 70 Drucke hergestellt werden.

Für dieses Verfahren müssen die Metallplatten nicht mehr geätzt werden. Man benötigt keine Chemikalien, die man einatmet oder die giftige Dämpfe abgeben oder in die Haut eindringen.
Darüber hinaus können die mittels Polymerfilm belichteten Metallplatten (in einem leicht veränderten Ablauf) auch geätzt werden, z.B. mit Eisendreichlorid.

Intagliotypie von Martin Sander
Intagliotypie von Martin Sander

Arbeitsablauf

Das gewünschte Motiv wird auf eine transparente Folie übertragen:
- auf OHP-Film ausgedruckt, am besten mit einem Ink-Jet-Drucker,
- auf Laserfolie kopiert,
- auf Transparentfilm gezeichnet,
- auf Film ausbelichtet.

Auf eine Druckplatte (aus Metall oder besser Kunststoff) wird Fotopolymerfilm (ImagOn-Film / Photopolymer) auflaminiert - Druck und Wärme sind die wichtigsten Komponenten.
Diese Arbeit kann bei normalem Tageslicht oder Glühlampenbeleuchtung durchgeführt werden, allerdings nicht unter Sonnenlichteinstrahlung, Neon- oder Halogenlicht.

Damit auch zusammenhängende schwarze (bzw. einfarbige) Flächen die Druckfarbe halten können, müssen sie in viele kleine Vertiefungen aufgespalten werden - in der herkömmlichen Radierung geschieht das durch die Aquatintatechnik.
In der Intagliotypie erhält man diese Effekt durch einen Vorbelichtung mit einer Folie mit einem unregelmässigen Raster, damit man später keinen regelmässige Strukturen erkennt. Da diese Folie den gleichen Effekt hat wie in der herkömmlichen Radierung, heisst sie AquatintaScreen. Sie wird an einem Belichtungsgerät immer mit der gleichen Belichtungszeit verwendet. Diese Folie kann wiederholt eingesetzt werden.

Zur Vorbelichtung wird die laminierte Druckplatte und der AquatintaScreen - möglichst in einem Vakuumrahmen - unter einen UV-Punktlichtquelle gelegt und belichtet.
Eine UV-Punktlichtquelle ist notwendig, weil bei einer flächigen Ausleuchtung die sehr feinen Punkte, Linien und Grauwerte des Motivs unterstrahlt werden und damit verschwinden. Zum Testen kann ein Röhrengerät (ein UV-Bräuner o.ä.) verwendet werden.

Gleich anschliessend erfolgt die Belichtung der Motivfolie (die Belichtungszeit muss man durch einen Teststreifen ermitteln).

Die belichtete Platte wird in einer schwachen Lauge 7 Minuten lang ruhig liegend entwickelt, dann mit Essig neutralisiert, mit kalten Wasser gewaschen und mit einem Fön getrocknet.

Die Platte kann nun - wie in einer herkömmlichen Radierung - mit Tiefdruckfarben auf Öl- oder Wasserbasis eingefärbt und gewischt werden.

Mit einer Druckpresse wird die eingefärbte Platte auf gewässertes Tiefdruckpapier gedruckt.

 

Hier können Sie sich einen Anleitung zur Arbeit mit ImagOn HD-Film (in deutsch) herunterladen! 

 

Download
OKTOGON-Intagliotypie Anleitung HD-Film
Anleitung zur Handhabung von ImagOn-HD-Film in deutsch. Grundtechnik!
OKTOGON-Intagliotypie AnleitungHD-Film.p
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Hier können Sie "Wandtafeln" herunterladen, die Sie sich ausgedruckt über die jeweiligen Arbeitsschritte aufhängen können. So vergessen Sie keinen Schritt des Arbeitsablaufs. Ideal wenn Sie Kurse geben.

Download
OKTOGON ImagOn-Anleitung Wandtafeln
Ausdrucken ggf. Laminieren und über den jeweiligen Arbeitsabschnitten aufhängen!
ImagOn-Wandtafeln.pdf
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Auf YouTube gibt es Filme über die Arbeit mit ImagOn-Film und AKUA-Intaglio-Farben über diesen Link zu finden.

Hier gibt es u.a. Filme (in englischer Sprache) über Sonnenbelichtung und Vierfarbdruck


Möchten Sie mehr erfahren?


Ganz neu ist ein Blog über die Technik der Intagliotypie von Martin Sander.

Über diesen Link zu finden!


Sonnenbelichtung

 

Einfaches Herstellen von Radierplatten mit Sonnenlicht. Die vielfältigen Möglichkeiten der umweltfreundlichen Intagliotypie kombiniert mit einfachen technischen Lösungen, die Lust auf kreative Experimente machen.

 

Infos und spannende Seminarangebote: 

www.freie-kunst-akademie-augsburg.de